Burnout-Theorie
Wissenschaftlich gibt es verschiedene Modelle, die versuchen, die Entstehung von Burnout zu erklären. Kein Modell erklärt alles – aber jedes beleuchtet einen wichtigen Aspekt des Phänomens.
Das Modell von Maslach und Jackson
Das bekannteste und am besten erforschte Modell wurde von Christina Maslach und Susan Jackson in den 1970er Jahren entwickelt. Sie beschreiben Burnout als dreidimensionales Syndrom:
- Emotionale Erschöpfung: Das Gefühl, emotional ausgebrannt zu sein – keine Energie mehr für andere aufbringen zu können
- Depersonalisierung: Eine zunehmend distanzierte, zynische Haltung gegenüber der Arbeit und den Menschen, mit denen man arbeitet
- Reduziertes Wirksamkeitserleben: Das Gefühl, nichts mehr Sinnvolles zu leisten oder zu bewirken
Das Anforderungs-Ressourcen-Modell (JD-R)
Burnout entsteht dann, wenn die Anforderungen der Arbeit die verfügbaren Ressourcen dauerhaft übersteigen. Ressourcen können sein: Handlungsspielraum, soziale Unterstützung, Wertschätzung, klare Ziele. Wenn diese fehlen oder abnehmen, während die Anforderungen steigen, entsteht ein Ungleichgewicht – und schließlich Erschöpfung.
Das Phasenmodell von Freudenberger und Richelson
Herbert Freudenberger beschrieb bereits 1974 Burnout als Prozess mit typischen Phasen: von übersteigertem Ehrgeiz und Überarbeitung über sozialen Rückzug bis hin zur inneren Leere und dem Zusammenbruch. Diese Phasenmodelle sind anschaulich, auch wenn sie nicht für jeden Betroffenen in dieser Abfolge zutreffen.
Burnout im ICD
Im ICD-10 ist Burnout unter Z73.0 als “Ausgebranntsein” kodiert – als Problem der Lebensbewältigung, nicht als Erkrankung. Im ICD-11 (ab 2022) wurde die Beschreibung präzisiert: Burnout ist ein “berufliches Phänomen”, keine Erkrankung. Das hat praktische Konsequenzen: Burnout allein ist kein Diagnosegrund für eine Psychotherapie – die dahinterliegenden Diagnosen (z.B. Anpassungsstörung, depressive Episode) hingegen schon.
Biologische Grundlagen
Chronischer Stress führt zu nachweisbaren biologischen Veränderungen: erhöhte Cortisolspiegel, Störungen im Serotonin- und Dopaminhaushalt, Veränderungen im Immunsystem. Im fortgeschrittenen Stadium kann der Cortisolspiegel sogar absinken – ein Zeichen, dass die Stressachse (HPA-Achse) erschöpft ist. Mehr dazu auf der Seite Medizin intensiv.